Der Ursache auf die Spur kommen

Der Physiotherapeut Carsten Walther ist mit seiner Praxis im selben Gebäude wie Sport Ziel, an der Parkallee 301 zu finden.

 

Das Knie fängt beim Laufen plötzlich an zu schmerzen? Der Rücken zwickt ohne ersichtlichen Grund? Bei manchen Beschwerden ist es sinnvoll, statt einen Arzt erst einmal einen Physiotherapeuten aufzusuchen. Dieser schaut nicht nur auf die aktuelle Situation, sondern blickt auch zurück und sucht nach der Ursache des Problems. Warum dieses teilweise ganz woanders liegen kann als am betroffenen Körperteil, warum Läufer häufig Knieprobleme haben und wie wichtig eine regelmäßige Kontrolle ist, das erklärt Carsten Walther, Physiotherapeut bei GPS Bremen.

 

Warum ergibt es manchmal Sinn, statt zum Arzt zum Physiotherapeuten zu gehen?

Wir sind heutzutage so gepolt: Wenn wir ein Problem haben, gehen wir zum Doktor, bekommen eine Pille und uns geht es wieder gut. Das erwarten wir in dem Moment auch. Der Arzt hat meist jedoch nur eine Momentaufnahme. Er sieht, wie die Situation aktuell ist. Unsere Aufgabe hingegen ist es, einen Blick zurückzuwerfen und zu schauen, warum der Patient diese Symptomatik überhaupt entwickelt hat. Warum tut sein Kreuz weh? Oder sein Knie? Wenn ich mit meiner Schulter gegen eine Tür renne, dann weiß ich hinterher, warum sie mir wehtut. Wenn sie aber ohne offensichtlichen Grund zu schmerzen anfängt, dann muss man der Ursache erst einmal auf die Spur kommen.

 

Wie macht man das?

Wir reden mit den Leuten und versuchen gemeinsam herauszufinden, was in den vergangenen Wochen, Monaten oder gar Jahren passiert ist, das die Ursache sein könnte. Hat sich vielleicht etwas an ihren Gewohnheiten verändert? Ein klassischer Fall ist dabei, dass man sich neue Laufschuhe kauft, die nicht zum eigenen Körper passen. Oder aber man ändert seinen Laufstil. Es kann aber auch einen konkreten Vorfall in der Vergangenheit gegeben haben, der in dem Moment als nicht schlimm bewertet wurde, nun aber Probleme macht.

 

Was könnte das sein?

Ein Beispiel ist ein Läufer, der ganz normal seine Runden dreht. Plötzlich tritt er in einen Hasenbau oder stolpert über eine Wurzel – was allerdings im ersten Moment kein Problem ist. Er schüttelt sich kurz und läuft weiter, ohne Schmerzen. Bei so einem Sturz können jedoch Kräfte auftreten, die massiv auf die Statik einwirken. Im Laufe dieser Statikfehlstellung kann es dann sein, dass der Läufer ein Problem entwickelt, das beispielsweise zu Schmerzen im Knie oder im Rücken führt. Er wird die Schmerzen kaum in Verbindung mit dem Sturz bringen, da dieser schon Wochen, wenn nicht Monate her sein kann. Die Symptomatik entwickelt sich erst jetzt, da der Körper die Fehlstellung eine Zeit lang kompensieren konnte.

 

Wie sieht danach die Behandlung aus?

Die Symptomatik ist nicht immer unbedingt der Ort des Geschehens. Wenn man also Schmerzen im Knie hat, kann es auch an einer Fußfehlstellung liegen. Eine unserer Hauptaufgaben ist es, die Ursache für die Schmerzen herauszufinden. Gelenke wie Knie oder Schulter sind sehr anfällig für Störungen. Die Ursache kann aber ganz woanders liegen. Wir versuchen herauszufinden, wo im Körper etwas stattfindet, das negativ auf diese Gelenke einwirkt. Manchmal reicht es dann schon, an einer kleinen Stellschraube zu drehen, um das Problem zu beseitigen: Man mobilisiert ein Gelenk und plötzlich geht es wieder – es fühlt sich freier und leichter an. Häufig sind es kleine Ursachen, die jedoch eine große Wirkung haben. Teilweise sind es natürlich aber auch größere Probleme, die dann längerfristig behandelt werden müssen.

 

Läufer haben häufig Probleme mit dem Knie. Warum ist es so anfällig?

Schulter und Knie sind die beiden kompliziertesten Gelenke des Körpers. Beide sind extrem beweglich, das wird jedoch mit einer komplexen Struktur erkauft. Beim Knie ist es so, dass sich zwei gebogene Strukturen gegeneinander bewegen – der Ober- und der Unterschenkelknochen. Sie berühren sich nur minimal. Ansonsten werden sie mithilfe von Bändern und Sehnen zusammengehalten, etwa mit dem Kreuzband und den Seitenbändern. Das macht die Situation sehr schwierig und das Knie anfällig für Probleme. Aufgrund seiner Komplexität ist es häufig das Opfer, selbst wenn das Problem eigentlich wo ganz anders liegt. Das wird auch vielen Läufern zum Verhängnis – lässt sich teilweise jedoch relativ einfach lösen.

 

Also kommen die Leute nur zu euch, wenn sie ein Problem haben?

Meistens schon. Wir versuchen aber, sie dahingehend zu leiten, dass sie auch ohne Probleme vorbeikommen. Ein Auto bringt man regelmäßig zur Inspektion, obwohl das Geld kostet. Warum macht man das mit seinem eigenen Körper dann nicht auch?

 

Warum ist das nötig, wenn es den Leuten doch offensichtlich gut geht?

Man wiegt sich häufig in der trügerischen Sicherheit, dass alles gut ist. Das ist jedoch nicht immer der Fall – man merkt es nur nicht. Es ist daher schlauer, einzugreifen, bevor die Symptomatik eintritt, also Schmerzen entstehen. Unsere Aufgabe ist es, Missstände im Körper aufzuspüren, die dazu geeignet sind, diesen in irgendeiner Form aus der Balance zu bringen. Sie können wie gesagt durch Vorfälle in der Vergangenheit entstanden sein oder aber einfach durch Veränderungen, die der Körper durchläuft.

 

Wie läuft so eine „Inspektion“ ab?

Wir schauen uns alle relevanten Bereiche an – von den Gelenken über den Bauchraum bis hin zum neurologischen System. Wie werden Informationen im Körper weitergegeben? Was passiert zwischen Kopf und Kreuzbein? Hakt irgendwo irgendwas? Ich würde eine solche „Inspektion“ beispielsweise auch empfehlen, wenn man plant, einen Marathon zu laufen. Man sieht, ob das harte Training der nächsten Monate durch Fehlstellungen oder Ähnliches möglicherweise negative Auswirkungen auf den Körper haben könnte – und kann dem durch gezielte Maßnahmen entgegenwirken.

Gut beraten läufts

Lauf- und Rückenzentrum Bremen

Sport Ziel bietet Dir guten Service und eine individuelle Beratungsleistung rund ums Thema Laufen.

Sport Ziel Lauf- und Rückenzentrum
Parkallee 301
28213 Bremen

Tel. 0421 - 3304820