„Ich bin gelassener geworden!“

 

Sechsmal hat Oliver Sebrantke den swb-Marathon in Bremen bereits gewonnen – das ist Rekord. Mittlerweile ist der 42-Jährige auch erfolgreich als Triathlet unterwegs. Im Interview erzählt er von seinem turbulenten Jahr 2018, wie er sich im Winter zum Sport motiviert und warum ihm Siege gar nicht mehr so wichtig sind.

 

Moin Olli, wie geht’s dir? Im September bist du ja beim Duathlon mit dem Fahrrad gestürzt, hast dir unter anderem den rechten Unterarm gebrochen und konntest daher auch beim 14. swb-Marathon im Oktober nicht um den Sieg mitlaufen. Dennoch reichte es für Platz 3. Ist denn mittlerweile wieder alles verheilt?

Oliver Sebrantke: Nein, ganz noch nicht. Mein Arm macht immer noch ein paar Probleme – ich kann ihn noch nicht wieder komplett drehen. Aber beim Laufen stört das zum Glück kaum.


Auch abgesehen von der Verletzung lief dein Jahr nicht optimal – wenn man da zum Beispiel an den Málaga-Marathon im Dezember denkt…

Sebrantke: Das stimmt (lacht). Dort bin ich aufgrund einer falschen Information auf der englischsprachigen Version der Homepage 13 Minuten zu spät gestartet. Im ersten Moment war ich geschockt – das hat meinen Plan natürlich komplett über den Haufen geworfen. Dann bin ich aber sofort losgelaufen und musste das Feld von hinten aufrollen. Das war eine ungewohnte Situation.


Konntest du es mit Humor nehmen?

Sebrantke: Anfangs habe ich mich schon sehr geärgert, aber dann war es ganz witzig. Die anderen Läufer waren natürlich überrascht, dass sie von jemandem überholt werden, der doppelt so schnell rennt. Ich habe gefühlt mit jedem Zehnten kurz gesprochen. Ein Läufer mit einem Shirt vom Bremen-Marathon war auch dabei. Da bin ich dann natürlich kurz langsamer geworden und habe mich mit ihm unterhalten. Es hat mich ein bisschen an meine Anfangszeit erinnert. Ich habe den Marathon mal wieder aus einer anderen Perspektive gesehen, ohne um eine bestimmte Platzierung zu kämpfen – das hat schon Spaß gemacht.


Hast du denn für 2019 schon große Ziele oder möchtest du es ruhig angehen lassen?

Sebrantke: Der swb-Marathon im Oktober ist natürlich Pflicht. Ansonsten muss ich sagen, dass ich eigentlich keine Ziele mehr habe, seit ich mir mit dem Ironman auf Hawaii 2017 meinen größten Traum erfüllt habe. Das ist aber auch in Ordnung. Es macht alles etwas leichter und entspannter. Ich habe den Sport lange genug ausgeübt, um jetzt sagen zu können: Wenn ich Zweiter, Dritter oder auch Vierter beim Bremen-Marathon werde, ist das okay. Das juckt mich nicht mehr so. Vor zehn Jahren hätte das noch ganz anders ausgesehen, da hätte es mich richtig geärgert, wenn jemand 30 Sekunden schneller ist als ich. Ich werde demnächst 43, da ist man über den Zeitpunkt, in dem man im Leistungssport noch richtig gut sein kann, eigentlich schon hinaus. Natürlich ist es nach wie vor schön, Wettkämpfe zu gewinnen – es hat aber keine Priorität mehr. Ich bin gelassener geworden.


Seit einigen Jahren hast du ja nun auch deine Begeisterung für Triathlon entdeckt…

Sebrantke: Das stimmt. Früher bin ich 10 bis 15 Marathons im Jahr gelaufen, nun sind es eher drei bis fünf. Dafür kommen die Triathlons hinzu. Dieses Jahr bin ich beispielsweise bei der Weltmeisterschaft im spanischen Pontevedra dabei. Triathlon ist ein guter Ausgleich. Ich laufe ja nun schon seit mehr als 17 Jahren. Mit der Zeit hat mein Rücken immer mehr Probleme gemacht, und ich habe gemerkt, dass ich etwas ändern muss. Ich bin kein Fan von Stabitraining oder Fitnessstudio, aber Schwimmen ist ja im Prinzip nichts anderes: Man bewegt Muskeln, die man beim Laufen nicht beansprucht. Dadurch hat sich meine Rücken-, Becken- und Hüftstabilität deutlich verbessert. Und da war der Weg zum Triathlon natürlich nicht mehr weit.

Wie schlägst du dich so durch den Winter – oder magst du das Wetter sogar?

Sebrantke: Nein, ich kann bei 30 Grad deutlich besser laufen als bei 5. Ich muss mich im Winter auch quälen – daher nutze ich möglichst viele Events, um mich zu motivieren. Allen voran natürlich die Bremer Winterlaufserie, bei der ich wieder dabei bin. Aber auch Crossläufe mache ich zwischendurch mal ganz gerne. Ich versuche zudem, einmal im Jahr einen Marathon im Ausland zu laufen. Da kann man sich dann gut mal wärmere Regionen aussuchen, um dem Winter zu entfliehen.



Kannst du da einen bestimmten Lauf empfehlen?

Sebrantke: Mein Favorit ist ganz klar der Athen-Marathon. Nicht nur, weil ich Halb-Grieche bin, auch ist es einfach der Klassiker unter den Marathons. Man läuft die Strecke von der Stadt Marathon nach Athen. Das Ziel ist in einem mehr als 2300 Jahre alten Stadion – das ist schon wirklich beeindruckend.


Veränderst du dein Training im Winter?

Sebrantke: Ich nutze die Zeit, um mich ein bisschen zu erholen und etwas weniger zu machen als sonst. Ich sehe es im Winter nicht ganz so eng: Wenn es regnet oder schneit, lasse ich einen Lauf halt mal ausfallen oder verschiebe ihn auf später. Sowas gibt es im Frühjahr gar nicht – da wird jedes Training durchgezogen wie geplant.


Oder man geht aufs Laufband …

Sebrantke: Das ist nicht so mein Ding. Aber im Prinzip kann man im Winter natürlich gut hin und wieder auf andere Sportarten ausweichen und zum Beispiel ins Fitnessstudio gehen oder – wie in meinem Fall – regelmäßig schwimmen.


Hast du Tipps für die richtige Kleidung im Winter?

Sebrantke: Das muss im Prinzip jeder für sich herausfinden. Bewährt hat sich das Zwiebel-Prinzip mit mehreren Schichten, die nach Bedarf ausgezogen werden können. Ich persönlich brauche im Winter immer Mütze und Handschuhe. Da ist aber jeder etwas anders. Eigentlich fiebere ich – wie sicherlich viele andere Läufer auch – nur darauf hin, dass es schnell wieder wärmer wird. Zum Glück stehen nun erst einmal zwei Trainingslager an – auf Teneriffa und auf Mallorca. So lässt sich der Winter ganz gut aushalten (lacht).

 

Wollt Ihr am 6. Oktober auch beim 15. swb-Marathon Bremen dabei sein? Hier könnt Ihr Euch online für Marathon, Halbmarathon und 10 Kilometer anmelden: www.swb-marathon.de

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