„Dieses Gefühl, wenn du ins Ziel läufst!“

 

Viele kennen ihn noch als Manager von Werder Bremen oder als Senator in der Bremer Bürgerschaft. Doch auch in Laufschuhen fühlt sich Willi Lemke sehr wohl. Wir haben den Schirmherrn des swb-Marathon getroffen. Im Interview erzählt er, wie er vom Fußball zum Laufen kam, wie ihn einige Werderfans bei seinem letzten Marathon motiviert haben und was sein Ziel für den 7. Oktober ist.


Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch nachträglich. Sie sind ja vor Kurzem 72 Jahre alt geworden – und trotzdem noch topfit. Wie machen Sie das?

Willi Lemke: Danke! Laufen ist da sicherlich ein wichtiger Punkt – das mache ich seit mittlerweile rund 32 Jahren. Hinzukommen aber auch eine relativ gesunde Ernährung, kein Rauchen und Alkohol in Maßen. Ich habe das Gefühl, das sind die Säulen dafür, dass ich mich nach wie vor fit wie ein Turnschuh fühle.


Wie sind Sie überhaupt zum Laufen gekommen?

Lemke: Ziemlich genau als ich 40 Jahre alt war habe ich von Fußball auf Langstreckenlauf umgesattelt. Ich hatte mir beim Fußballspielen schon einige erhebliche Verletzungen zugezogen. Irgendwann dachte ich mir dann: Musst du jetzt wirklich mit dem Oberschenkel gegen den Pfosten rennen und dann wieder sechs Wochen rumhumpeln? Nein, musst du nicht! Hajo Schulke, ein Freund, den ich schon seit meinem Studium in Hamburg kenne, hat mich dann überredet, mal mit ihm Laufen zu gehen. Das war der Startschuss. Seitdem bin ich zehn Marathons gelaufen. Natürlich hatte ich in der Zeit auch mal muskuläre Probleme, die aber in keiner Weise mit der Unfallgefahr im Fußball vergleichbar sind.


Was gefällt Ihnen so gut am Laufen, dass Sie es schon so lange machen?

Lemke: Ich halte mich fit und tue meinem Körper etwas Gutes – ohne Frage! Mir geht es nicht mehr um die Zeit. Ich werde auch von Jahr zu Jahr etwas langsamer, aber darauf pfeife ich. Ich will keinen Weltrekord mehr laufen, sondern mache es, um zu entspannen. Ich liebe es, durch den Bürgerpark zu laufen, die frische Luft einzuatmen und die Natur zu genießen. Es ist wunderbar, den vier Jahreszeiten zu folgen. Die schönste Jahreszeit zum Laufen ist der Frühling, wenn alles wieder anfängt zu blühen. Ich genieße es sehr, wenn sich der Bürgerpark jedes Mal in einem neuen, prächtigen Kleid zeigt. Man kann sagen: Wenn ich nicht laufe, bin ich totunglücklich.


Laufen macht schon ein bisschen süchtig, oder?

Lemke: Ja, durch die Ausschüttung von Endorphinen. Du spürst einfach: Wenn du eine Stunde gelaufen bist, fühlst du dich unheimlich gut. Das ist ein schönes Gefühl, das möchte man immer wieder erleben.


Laufen Sie denn lieber alleine oder gemeinsam mit anderen?!

Lemke: Ich laufe nur ganz ungerne alleine, aber zur Not mache ich das auch. Dann höre ich halt schöne Musik dabei. Aber viel lieber mag ich es, wenn ich gemeinsam mit meiner Frau oder mit Utz Bertschy, dem Veranstalter des Marathons, laufe. Dann unterhalten wir uns den ganzen Lauf, die Zeit geht viel schneller rum und man ist motivierter als alleine. Ich kann dabei einfach unheimlich gut abschalten und bekomme den Kopf frei.


Nun aber zum Thema swb-Marathon: Wie kam es, dass sie Schirmherr geworden sind?

Lemke: Das hat sich über meine Lauffreundschaft mit Utz ergeben. Wir kennen uns schon ewig und ich bin nun auch bestimmt schon seit über zehn Jahren Schirmherr.



Laufen Sie in Bremen dieses Jahr auch wieder mit?

Lemke: Ja. Die letzten Jahre bin ich immer gelaufen – wenn auch nicht immer den Marathon. Dieses Jahr möchte ich wieder den Halben laufen.


Haben Sie eine bestimmte Zielzeit im Kopf?

Lemke: Nein. Seit einigen Jahren sage ich mir: Wenn ich unter zwei Stunden laufe, dann bin ich zufrieden. Mittlerweile weiß ich aber, dass das für einen 72-Jährigen eine harte Nummer ist. Letztes Jahr habe ich dieses Ziel um eine Minute verpasst. Erst wollte ich danach sauer sein, habe aber gemerkt, dass ich dazu absolut keinen Grund habe. Ganz im Gegenteil, ich kann stolz sein, es in meinem Alter ins Ziel zu schaffen und vielen jüngeren Leuten unterwegs auch noch wegzulaufen. Ich möchte einen schönen Lauf haben, bei dem ich die letzten 400 Meter in der Obernstraße auch noch sprinten kann.


Wann steht der nächste Marathon an?

Lemke: Ich möchte gerne noch einen laufen – wann genau, weiß ich aber noch nicht. Das hängt auch immer von meiner Gesundheit ab. Meinen letzten bin ich vor fünf oder sechs Jahren in Bremen gelaufen, hatte mich aber nicht ausreichend vorbereitet. Ich dachte, ich schaffe das schon irgendwie. Am Ende war ich dann aber völlig kaputt, ich hatte mich komplett verausgabt. Kurz vor dem Ziel wollte ich schon aufgeben, aber dann sind meine Kinder zu mir gekommen und haben gesagt: „Papa, da stehen einige Leute mit Werderfahnen im Ziel!“ Und dann habe ich es irgendwie durchgezogen. Aber ich habe mir geschworen, dass ich es nie wieder machen werde, wenn ich nicht zu 100 Prozent vorbereitet bin.


Wenn man so etwas hört, fragen sich manche, wie man sich das freiwillig antun kann.

Lemke: Das stimmt, aber diese Leute haben es auch selbst noch nicht erlebt. Dieses Gefühl, wenn du ins Ziel läufst. Und was es bedeutet, nach einem Marathon in der Badewanne zu liegen. Das ist unbeschreiblich.


Warum können Sie den Bremen-Marathon empfehlen?

Lemke: Es ist eine tolle Strecke! Angefangen beim Start und Ziel auf dem Marktplatz, mitten in der Stadt. Aber auch unterwegs gibt es viele Höhepunkte. Beispielsweise der Bürgerpark oder die tolle Atmosphäre, die immer an der Schlachte herrscht. Mein persönliches Highlight ist aber das Weserstadion. Das liegt natürlich an meiner Vergangenheit, aber auch sonst ist es für alle beeindruckend, da durchzulaufen. Es sind viele kleine Höhepunkte und Vorfreuden. Ich bin hier schon häufig gelaufen, aber ich freue mich jedes Mal wieder sehr darauf.


Ist beim Bremen-Marathon nicht noch mehr drin? Man könnte zum Beispiel Stars einkaufen, wie das bei anderen großen Marathons gemacht wird!?

Lemke: Das macht meiner Meinung nach keinen Sinn. Wir können uns nicht mit New York oder Berlin vergleichen. Wir haben unsere Nische gefunden. Während Berlin meiner Meinung nach der beste Marathon Deutschlands ist, ist Bremen sicherlich der gemütlichste. Es kommen jedes Jahr auch etliche Läufer aus dem Ausland, aber Bremen muss seine eigene Zielgruppe finden – und die liegt in Bremen und umzu.


Was wünschen Sie sich und allen anderen Läufern für den 7. Oktober?

Lemke: Vor allem, dass alle gesund und glücklich ins Ziel kommen – egal, welche Distanz sie laufen. Ich hoffe, dass das Wetter mitspielt, es nicht zu heiß oder kalt ist, vor allem aber nicht regnet. Das würde nicht nur weniger Starter verursachen, sondern auch weniger Zuschauer – beides wäre sehr schade! Je mehr Unterstützung an der Strecke erfolgt, desto besser. Es ist wirklich eine tolle Motivation für jeden Läufer. Ich freue mich einfach auf einen tollen Lauf und bedanke mich bereits im Voraus bei allen ehrenamtlichen Helfern und bei der Bremer Polizei und der BSAG für Ihre Mühe.

 

Wollt Ihr am 7. Oktober auch dabei sein? Noch bis zum 26. September könnt Ihr Euch online für Marathon, Halbmarathon und 10 Kilometer anmelden: www.swb-marathon.de

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